Der Tag ohne Bestleistung
Mika will beim Schwimmwettkampf unbedingt seine Bestzeit schlagen. Dann läuft der Tag anders als geplant.
Mika kennt seine Bestzeit auf hundert Meter Freistil genau: eine Minute und zweiundvierzig Sekunden. Er hat sie auf einen kleinen Zettel geschrieben, der in seinem Etui steckt.
Beim Schulschwimmtag will er schneller sein.
Schon am Morgen fühlt er sich unruhig. Er isst kaum Frühstück und prüft dreimal, ob Badehose, Brille und Handtuch im Rucksack sind.
In der Schwimmhalle riecht es nach Chlor. Stimmen hallen von den Wänden. Als Mika seinen ersten Lauf beobachtet, schwimmt ein Junge aus der Parallelklasse eine Minute und siebenunddreissig.
Mika rechnet sofort: fünf Sekunden schneller als ich.
„Du schaust, als müsstest du eine Prüfung schreiben“, sagt seine Freundin Suri.
„Ich will meine Zeit schlagen.“
„Dann schwimm.“
So einfach fühlt es sich für Mika nicht an.
Beim Start springt er zu früh mit voller Kraft los. Nach fünfzig Metern brennen seine Arme. Auf der letzten Bahn wird jeder Zug schwer. Als er anschlägt, schaut er sofort zur Uhr.
Eine Minute sechsundvierzig.
Vier Sekunden langsamer.
Mika zieht die Brille hoch und sagt nichts.
Später sitzt er auf der Tribüne und will am liebsten nach Hause. Da ruft die Lehrerin nach Helferinnen und Helfern für die jüngeren Kinder, die beim Staffelstart nervös sind.
Suri stösst Mika mit dem Ellbogen an. „Komm.“
Sie gehen hinunter. Mika zeigt einem Drittklässler, wie er die Füsse am Beckenrand setzen kann. Ein anderes Kind hat Angst, beim Wechsel zu früh loszuschwimmen. Mika erklärt, worauf es achten soll.
Bei der Staffel steht er plötzlich am Rand und feuert die Gruppe so laut an, dass seine Stimme heiser wird.
Am Ende gewinnt die Gruppe nicht. Trotzdem springen die vier Kinder jubelnd aus dem Wasser, weil sie ohne Fehler durchgekommen sind.
Auf der Heimfahrt holt Mika den Zettel mit seiner Bestzeit aus dem Etui. Er zerreisst ihn nicht. Die Zeit ist ihm immer noch wichtig.
Aber auf die Rückseite schreibt er: Heute: 1:46. Zu schnell gestartet. Nächstes Mal ruhiger.
Darunter ergänzt er: Zwei Starts erklärt. Eine Staffel ohne Fehlwechsel.
Suri liest über seine Schulter. „Neue Disziplin?“
Mika grinst. „Vielleicht.“
Seine Bestleistung hat er an diesem Tag nicht verbessert. Aber er fährt nach Hause mit etwas, das ihm am Morgen gefehlt hat: einer Idee, wie es weitergehen kann.